Hamburg, 30.09.2025 – Heute um 12:00 Uhr wurde in der deutsch-luxemburgischen Gebotszone erstmals die Day-Ahead-Auktion mit 15-Minuten-Produkten für den Liefertag 1. Ok-tober 2025 abgewickelt. Damit sind nun nicht mehr 24 Stunden, sondern 96 Viertelstunden das neue Marktstandardprodukt im europäischen Stromgroß-handel. Die Umstellung folgt der europäischen Vorgabe aus der Electricity Balancing Guideline (EBGL) und dem Clean Energy Package, wonach die Bilanzausgleichsperiode auf 15 Minuten harmonisiert werden muss.
Der Go-Live verlief weitgehend reibungslos. Lediglich eine leichte Verzögerung bei der Veröffentlichung der Marktergebnisse sorgte kurzfristig für Unruhe. Allerdings konnten alle Orders verarbeitet werden, die Kopplung mit den europäischen Partnerbörsen wurde erfolgreich abgeschlossen.
Die Marktteilnehmer haben das neue Produktformat unmittelbar angenommen und das gewünschte Cross-Product-Matching funktioniert: klassische Stundenprofile lassen sich als Blockgebote weiter abbilden, während zusätzliche Liquidität und Wettbewerb in den neuen Viertelstunden entsteht.
Insgesamt lag das gehandelte Volumen bei 801 GWh verglichen mit einem gestrigen Wert von 763 GWh in den vorangegangenen reinen Stundenauktionen. Dies bedeutet einen minimalen Anstieg um 5 % und zeigt, dass die Marktteilnehmer das neue Format angenommen haben.
Die erste Auktion lieferte differenzierte Preissignale: Während der durchschnittliche Preis über alle 96 Viertelstunden bei 116,6 EUR/MWh lag, handelte die teuerste Viertelstunde (19:00-19:15) bei 408,5 EUR/MWh und die günstigste zur Solarspitze (11:45-12:00 Uhr) bei 61,4 EUR/MWh. Der höchste Preisunterschied zweier benachbarter Viertelstunden (18Q3 und 18Q4) lag bei 96 EUR/MWh und bildet damit einen deutlichen Preisanstieg in der Abendrampe ab.
Zur Überraschung einiger Marktteilnehmer bildete sich das Stromhändlern bekannte „Zickzack“-Muster in den sogenannten Rampen auch in der Day-Ahead 15-Minuten Auktion ab. Zum Beispiel fiel der Preis trotz steigender Nachfrage und sinkendem Angebot aus Solarstrom von 16Q4 auf 17Q1 von 116,7 EUR/MWh auf 85,5 EUR/MWh. Während Stundenpreise kontinuierlich steigen oder fallen, sehen Marktteilnehmer in den Viertelstunden dementsprechend weiterhin das schon aus dem Intraday-Markt bekannte Muster.

Ergebnisse der ersten Day-Ahead-Auktion mit 15-Minuten-Produkten und den daraus errechneten durchschnittlichen Stundenpreisen für den Liefertag 01.10.2025
Die Einführung der 15-Minuten-Auktion gilt als wichtiger Schritt für die weitere Integration erneuerbarer Energien. Präzisere Preissignale sollen zudem Flexibilitäten wie Speicher und Demand Response stärker in den Markt ziehen und die Ausgleichsenergiekosten senken.
Amani Joas, Gründer und Geschäftsführer von FlexPower, einem der führenden Vermarkter von Strom aus Erneuerbaren Energien in Deutschland, kommentiert die erfolgte Umstellung:
„Mit der erfolgten Anpassung des Marktdesigns in der Day-Ahead-Auktion entsteht zusätzliche Liquidität in den Viertelstundenkontrakten, was den Wettbewerb stärkt und am Ende für die Verbraucher einen Mehrwert schafft. Man kann es mit technischen Standards aus anderen Wirtschaftsbereichen vergleichen: Wenn Deutschland einen eigenen USB-Standard hätte und Frankreich einen anderen, würde der Markt fragmentieren. Erst die Einigung auf einheitliche Standards ermöglicht breiten Wettbewerb und sorgt so für effizientere Preise. Für die kommenden Auktionen erwarten wir daher eine allmähliche Verbreiterung der Liquidität in den Viertelstundenprodukten. Mittelfristig rechnen wir mit einer Preisstruktur, die sich rational dem wechselnden Angebot aus Wind-, Solar- und konventioneller Einspeisung auf der Einen und der viertelstündlichen variablen Nachfrage auf der anderen Seite, besonders zu Rampenzeiten, anpasst.“
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