Was versteht man unter Value Stacking bei Batteriespeichern?

Was soll man schon mit Stromspeichern machen, außer Strom speichern und ihn später nutzen? Im Grunde nichts. Aber wie viel Geld man damit verdient, hängt davon ab, wie man diese Flexibilität vermarktet. Wer sich die besten Angebote aus mehreren Strommärkten heraussucht, kann deutlich mehr aus seiner Investition herausholen.

Definition

Unter Value Stacking versteht man eine Geschäftsstrategie, bei der man mit einer Ressource mehrere Erlösquellen nutzt. Wörtlich bedeutet er Wertstapelung. Ziel ist es den Return on Investment (ROI) zu erhöhen und die Amortisierungsdauer einer Investition zu verkürzen. Der Begriff wird in mehreren Branchen verwendet.

Für stromproduzierende oder -speichernde Anlagen spielt Value Stacking eine besonders große Rolle, weil es diverse Märkte gibt, auf denen sie abwechselnd vermarktet werden können. Deshalb spricht man auch von Multi-, Cross- oder X-Market-Optimization.

Welche Märkte für Batteriespeicher gibt es in Deutschland?

Batteriespeicher oder BESS (Battery Energy Storage Systems) eignen sich für die Teilnahme an verschiedenen Märkten. Allen voran ist der Energiegroßhandel an den Strombörsen zu nennen. Aufgrund ihrer hohen Flexibilität können Batteriespeicher aber auch verschiedene Systemdienstleistungen erbringen, die ausschließlich dem reibungslosen Netzbetrieb dient. Die Speicherung selbsterzeugten Stroms ist für Gewerbebetriebe eine weitere Einsatzmöglichkeit für Batteriespeicher.

Wir optimieren & handeln Ihren Batteriespeicher

Unsere Expertise in der Optimierung und im Handel mit flexiblen und erneuerbaren Energien, kombiniert mit der längsten Handelserfahrung auf deutschen Kurzfristmärkten, garantiert Ihnen maximale Erträge durch innovative Handelsstrategien.


Batteriespeicher im Energiegroßhandel

Rund drei Viertel der in Deutschland verbrauchten elektrischen Energie wird over-the-counter vermarktet, also im bilateralen Handel von Produzent zu Händler oder von Händler zu Verbraucher. Es bleibt jedoch ein erhebliches Volumen, das an der Börse gehandelt wird. Auf diese Weise wurden 2024 allein am Spotmarkt der europäischen Strombörse EPEX 868 Terawattstunden (TWh) gehandelt. Auch wenn der Vergleich hinkt, weil viele Megawattstunden mehrfach den „Besitzer“ wechseln, bevor sie produziert und verbraucht werden: Das ist mehr als der doppelte Stromverbrauch Deutschlands im selben Jahr.
 
Im Energiegroßhandel lassen sich mit Batteriespeichern Gewinne durch Arbitragegeschäfte erzielen. Dabei wird Netzstrom zu Zeiten niedriger Preise eingekauft und gespeichert, um ihn zu verkaufen und ins Stromnetz zu speisen, wenn die Preise höher sind. Diese Art der Vermarktung macht sich die Volatilität der Strompreise im kurzfristigen Großhandel (Spotmärkte) zunutze.

Warum sind Strompreise so volatil?

Anders als an Wertpapierbörsen, an denen ein erheblicher Teil der Volatilität vom Verhalten der Akteure ausgelöst wird, gehen die Preisschwankungen an den kurzfristigen Strombörsen in erster Linie auf Naturgesetze zurück. Hauptfaktor für die Preisbildung ist nämlich inzwischen die volatile Einspeisung der Erneuerbaren Energien: Sobald Wind- und Solarenergieanlagen viel Strom produzieren, sinken die Strompreise bis hinab in den negativen Bereich. Muss der gesamte Strom hingegen durch konventionelle Anlagen erzeugt werden, kann eine Megawattstunde schnell mehrere Hundert Euro kosten.

Die Nachfrage spielt bei den Strompreisschwankungen auf kurzfristigen Märkten eine eher untergeordnete Rolle, weil sie sehr starr ist und stark etablierten und damit vorhersehbaren Mustern folgt.

Da der Großteil der elektrischen Energie nicht an Spotmärkten gehandelt wird und weil bisher nur wenige Haushalte und Unternehmen
dynamische Stromtarife nutzen, schlägt sich die Volatilität in den Strompreisen für Verbraucher übrigens nur bedingt wieder.

Terminmarkt

Der Terminmarkt ist für Arbitragegeschäfte mit BESS aus zwei Gründen nicht geeignet. Zum einen ist der langfristige Stromhandel mit Futures bei weitem nicht so volatil wie der Spotmarkt. Dadurch fehlen attraktive Preisunterschiede (Spreads).
Zum anderen ist die Handelsfrequenz zu gering. Die Stärke von Batteriespeichern ist, dass sie Strom nahezu beliebig oft ein- und wieder ausspeichern können. Je häufiger diese Fähigkeit genutzt wird, umso mehr Erlöse sind damit zu erwirtschaften. Interessant sind hingegen die verschiedenen Spotmärkte (Day-ahead-Auktionen, Intraday-Auktionen, kontinuierlicher Intraday-Handel).

Day-ahead-Markt

Für die Auktionen des Day-Ahead-Markts geben Stromerzeuger und -abnehmer täglich bis 12 Uhr mittags Gebote für jede Stunde (seit 1. Oktober 2025: auch Viertelstunde) des Folgetags ab. Ein Algorithmus ermittelt aus Angebot und Nachfrage den sogenannten Markträumungspreis (Clearing price) für jede volle Stunde. Dabei erteilt er den Geboten der Reihe nach vom niedrigsten bis zum höchsten einen Zuschlag, bis die Nachfrage vollständig gedeckt ist. Der Clearing price gilt dann für alle Anbieter (Uniform Pricing). Mit dieser Auktion ist die Stromversorgung für den nächsten Tag weitestgehend organisiert und gesichert.

Intraday-Auktionen

Drei Stunden später, um 15 Uhr, beginnen die Intraday-Auktionen, die wie die Day-Ahead-Auktionen nach dem Pay-as-Clear-Modus abgehalten werden. Hier werden Stromlieferungen nicht mehr pro Stunde, sondern pro Viertelstunde versteigert. Dadurch können Stromerzeugung und -verbrauch noch einmal deutlich genauer aufeinander angestimmt werden. Kurzfristige Schwankungen in Angebot und Nachfrage können 15-Minuten-genau ausgeglichen werden.

Für die extrem flexiblen Batteriespeicher ist dies ein sehr vorteilhaftes Marktdesign: Wo schwerfällige Kraftwerke auf einen unerwartet auftretenden Angebotsüberhang kaum oder gar nicht reagieren können, nehmen BESS den überschüssigen Strom, der nun zu Tiefstpreisen angeboten wird, aus dem Netz. Sinkt im nächsten Moment die PV-Einspeisung stärker als gedacht, weil Wolken aufziehen, speisen die BESS die gespeicherte Energie wieder gewinnbringend ein. 

Kontinuierlicher Intraday-Handel

Im kontinuierlichen Intraday-Handel gibt es keine Auktionen und dementsprechend keinen Einheitspreis mehr. Die Preisbildung erfolgt also nach dem Pay-as-Bid-Prinzip: Jeder Handel wird zum individuell vereinbarten Gebot abgeschlossen und abgerechnet.

Der Continuous Intraday ermöglicht es Marktteilnehmern, Strom flexibel und nahezu in Echtzeit zu handeln. Er beginnt am Vortag um 15 Uhr für Stundenprodukte, ab 16 Uhr sind zudem Viertelstundenprodukte handelbar. Handelsgeschäfte sind bis fünf Minuten vor der Lieferung zugelassen. Auf diese Weise können Marktteilnehmer sehr kurzfristig Prognoseabweichungen hinsichtlich Stromerzeugung oder -nachfrage ausgleichen und damit zur Stabilität des Stromnetzes beitragen. 

Waren BESS in der Intraday-Auktion bereits die perfekte Ergänzung zum Kraftwerkspark, sind sie im kontinuierlichen Intraday voll in ihrem Element. Keine andere Anlagenart im Netz kann so schnell von Einspeisung auf Entnahme umschalten. Dabei birgt jedes Hin und jedes Her die Chance auf einen Arbitragegewinn.

Mehr als nur Profit

Viele Trader verdienen durch Arbitragegeschäfte mit Batteriespeichern ihren Lebensunterhalt. Doch der Stromhandel ist kein Selbstzweck und dient nicht allein dem Profit. Er spielt eine wichtige Rolle für die Stabilität des Stromnetzes. Das Trading ermöglicht das effiziente Bereitstellen von Energie in Zeiten hoher Volatilität.
Dabei geht die Volatilität zunächst von Stromangebot und -nachfrage aus. Die Börse übersetzt dann Ein- uns Ausspeisesignale in Preissignale, die dann wiederum durch Vermarkter von Batteriespeichern und Erzeugungsanlagen genutzt werden. Damit stabilisieren sie das Stromnetz und tragen zur Versorgungssicherheit bei.

Wie wichtig dabei der kleinteilige Spotmarkthandel ist, schreibt die
Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. (FFE) in einem Artikel über aktuelle Änderungen des Spotmarktdesign, mit denen die Kurzfristmärkte geografisch ausgeweitet und zeitlich noch granularer werden:

"Während Geschäfte zur Risikominimierung und Preisabsicherung in der Regel so früh wie möglich abgeschlossen werden, verbessern sich die Informationen über das erwartete Angebot und die Nachfrage mit zunehmender Nähe zur physikalischen Lieferung. Auf den nachgelagerten Intraday-Märkten werden daher insbesondere Prognosefehler gegenüber den zeitlich vorgelagerten Märkten ausgeglichen. Ebenso werden ungeplante Veränderungen kompensiert."

Batteriespeicher am Markt für Regelenergie

Batteriespeicher können auch im Markt für Systemdienstleistungen eingesetzt werden, insbesondere im Regelenergiemarkt. Hier stellen sie den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) kurzfristig verfügbare Leistung bereit, um Frequenzabweichungen im Stromnetz auszugleichen: Bei einem Frequenzabfall wird Strom eingespeist (positive Regelarbeit); ist zu viel Strom im Netz, muss welcher entnommen werden (negative Regelarbeit). Während ein Batteriespeicher zur Erbringung von Regelenergie eingesetzt wird, kann er zwar nicht für Arbitragegeschäfte auf Spotmärkten genutzt werden. In Zeiten mit niedriger Strompreisvolatilität können die verschiedenen Regelenergiemärkte jedoch eine lukrative Ergänzung zur Arbitrage sein.

Durch ihre schnelle Reaktionsfähigkeit sind Batteriespeicher besonders gut geeignet für die Bereitstellung von Primär- und Sekundärregelleistung. Zur Teilnahme an diesen Märkten müssen Anbieter mindestens 1 Megawatt (MW) an Leistung anbieten, wobei das Pooling mehrerer kleinerer Einheiten zulässig ist. Zudem müssen die Anlagen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen, um die erforderliche Steuerungspräzision zu gewährleisten. In der Primärreserve agieren die Assets vollkommen autark auf Netzschwankungen.

Diese Voraussetzungen müssen die Betreiber nachweisen, um die Präqualifikation (Zulassung) für die Auktionen zu erhalten. Das ist nicht trivial und erfordert ein gewisses Investment. Ist sie einmal abgeschlossen, sind Regelenergiemärkte jedoch eine lukrative Ergänzung beim Value Stacking mit Batteriespeichern.

Primärreserve

Die Primärreserve wird abgerufen, sobald die Stromfrequenz das „Totband“ zwischen 49,98 und 50,02 Hertz verlässt. Binnen 30 Sekunden muss dann die volle Leistung für 15 Minuten verfügbar sein. Batteriespeicher sind dafür ausgezeichnet geeignet. Sie dominieren den deutschen Primärreservemarkt inzwischen und stehen in Konkurrenz mit thermoelektrischen Kraftwerken, etwa Erdgas- und Kohlekraftkraftwerken, die ihre Leistung bei Bedarf absenken oder hochfahren, und Pumpspeicherkraftwerken, die gewissermaßen mechanische Batterien sind.

Bei der Primärreserve wird ausschließlich die Regelleistung vergütet. Der Strom, der dann im Bedarfsfall eingespeist werden muss, wird nicht zusätzlich bezahlt. Begründet wird diese Praxis unter anderem damit, dass der Saldo zwischen positiver und negativer Regelarbeit regelmäßig so gering ist, dass die Kosten für eine gesonderte Abrechnung deren Nutzen übersteigen würden.

Ausgeschrieben wird die Primärreserve jeden Tag um 15 Uhr für den Folgetag. Die Übertragungsnetzbetreiber halten dafür eine Pay-as-Clear-Auktion ab, in der Pakete von vier Stunden im Pay-as-Clear-Modus, also mit Uniform Pricing, versteigert werden.

Sekundärreserve

Die Sekundärreserve wird aktiviert, wenn die Primärreserve nicht ausreicht, um die Netzfrequenz zu stabilisieren. In der Sekundärreserve bieten auch sogenannte Peaker mit. Das sind Gaskraftwerke, die nur eingesetzt werden, wenn Stromknappheit im Netz herrscht. Hinzu kommen verbrauchsstarke Industrieanlagen, deren Leistung relativ flexibel an die Netzbedürfnisse angepasst werden kann. Auch Bioenergieanlagen bieten Sekundärreserve in nennenswertem Umfang an.

Bei der Ausschreibung von Sekundärreserve gibt es drei wesentliche Unterschiede zur Primärreserve:

  • Negative und positive Regelenergie werden separat versteigert. Für Batteriespeicher bringt das den Vorteil, dass sie ihre Flexibilität immer auf dem Markt anbieten können, der gerade dem Füllstand des Akkus entspricht: Ist ein Speicher zu Beginn des Einsatzes in der Sekundärreserve voll, weil die Spotmarktpreise kurz davor günstig waren, wird der Vermarkter auf Slots für positive Regelenergie bieten. Ist vorher eine Hochpreisphase zu erwarten, in der der Speicher geleert wird, kann er danach negative Regelenergie anbieten.
  • Regelleistung und Regelarbeit werden separat vergütet. In einer ersten Auktion schreiben die ÜNB die Regelleistung aus. Das heißt: Anlagen mit erfolgreichen Geboten müssen für die Sekundärreserve bereitgehalten werden. In einer zweiten Auktion wird die Regelarbeit versteigert, dabei wird der Preis für eine Megawattstunde (MWh) Strom ermittelt, der eingesetzt wird, um die Soll-Frequenz von 50 Hertz wiederherzustellen. Das Besondere: Wer bei der ersten Auktion zu hoch gepokert und keinen Zuschlag erhalten hat, kann dennoch in der zweiten Auktion erfolgreich sein. Dann entgeht ihm zwar die Prämie für die Regelleistung, der reine Arbeitspreis für den Abruf von kurzfristigen Reserven kann dennoch attraktiver sein als der Strompreis an der Strombörse. Denn Regelarbeit ist nahezu immer teurer als regulärer Strom, schließlich – und das ist ein Aber – besteht die Möglichkeit, dass er nicht abgerufen wird.
  • Die Auktionen erfolgen im Pay-as-bid-Modus. Anbieter von Sekundärreserve erhalten den Preis, den sie zuvor geboten haben. Dies gilt sowohl für Regelleistung als auch Regelarbeit.

Minutenreserve

Die Minutenreserve wird aktiviert, wenn auch die Sekundärreserve nicht ausreicht, um die Stromfrequenz im Netz zurück auf Soll zu bringen. Die Anlagen werden etwa 5 Minuten nach Beginn der Schwankungen angefordert und müssen nach weiteren 10 Minuten die volle Leistung ins Netz speisen können, und zwar für eine ganze Stunde. Die erforderliche Mindestleistung pro Gebotseinheit liegt bei 5 MW.

Mittlerweile haben zwar viele Batteriespeicher das nötige Speichervolumen und die nötige Leistung, um diese Anforderungen zu erfüllen. Dies gilt umso mehr, als Anbieter mehrere Anlagen im Verbund anbieten können. Auf diesem Markt können jedoch andere Anlagentypen, insbesondere große Gas- und sogar Steinkohlekraftwerke, ihre Stärken besser ausspielen. Für Betreiber von Batteriespeichern ist die Minutenreserve deshalb kein attraktiver Markt und wird in der Regel nicht von ihnen bespielt.

Schwarzstart

Große Batteriespeicher mit mindestens 10 MW Leistung können als schwarzstartfähige Kraftwerke angemeldet werden. Hier bei gilt jedoch das Gegenargument der Minutenreserve erst recht: Ihre Stärke des schnellen Wechsels zwischen Ein- und Ausspeisung können BESS hier nicht zur Geltung bringen. Ein Schwarzstart zum Wiederhochfahren eines ausgefallenen oder stillgelegten Netzbereichs kommt schließlich sehr selten vor. Dazu sind andere Anlagentypen besser geeignet.

Exkurs: Batteriespeicher „behind the meter“

Ein weiterer Einsatzbereich für Batteriespeicher ist „behind the meter“ („hinter der Messstelle“) – sprich, außerhalb des Stromnetzes. Besonders relevant ist das im Bereich der privaten, kommerziellen und industriellen Anwendungen (C&I) zur Erhöhung des Eigenverbrauchs selbstproduzierten Solastroms. Gerade für Unternehmen mit eigener Photovoltaik-Anlage ist es nämlich immer häufiger lukrativer, den Strom aus dem mittäglichen Einspeisehoch in einem Batteriespeicher zwischenzuspeichern, anstatt ihn ins Netz zu speisen. Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Zum einen senkt der Gesetzgeber die Einspeisevergütung kontinuierlich herab. Zum anderen ist der Börsenpreis gerade dann besonders niedrig, wenn die PV-Anlage auf Hochtouren produziert. Denn das ist der Moment, in dem fast alle PV-Anlagen das Netz und den Markt mit Strom fluten.

Besser ist es daher, möglichst viel selbst erzeugten Strom zur Eigenversorgung zu nutzen, auch weil man dadurch Netzgebühren spart. Im ersten Schritt sollte bei der Installation auf die geografische Ausrichtung der PV-Anlage geachtet werden, damit die Stromerzeugung zu den Betriebsabläufen passt. Im nächsten Schritt lohnt sich auch die umgekehrte Anpassung, sodass man etwa die Produktion von Prozesswärme oder das Aufladen von Elektrofahrzeugen in Tageszeiten mit hoher Sonneneinstrahlung verlegt.

Neben der innerbetrieblichen Nutzung sollte aber immer auch die Vermarktung „vor der Messstelle“ in Betracht kommen, sprich: für Arbitragegeschäfte an der Strombörse oder Systemdienstleistungen am Regelenergiemarkt.

Wie funktioniert Value Stacking mit Batteriespeichern?

Wer das Maximum aus seiner Investition in Batteriespeicher herausholen will, beschränkt sich nicht auf eines der genannten Geschäftsfelder, sondern betreibt Value Stacking. Jeder der genannten Märkte weist unterschiedliche Charakteristika auf. An manchen Tagen, Stunden oder Viertelstunden ist der eine attraktiver als der andere, dann wieder ist es umgekehrt. Daher kommt es bei der Umsetzung einer Value-Stacking-Strategie vor allem darauf an, zu jedem Zeitpunkt (automatisiert) die besten Handelsentscheidungen auf verschiedenen Märkten zu treffen und diesen Prozess dauerhaft rollierend zu wiederholen.

In der praktischen Umsetzung entsteht durch die fortlaufende Berücksichtigung von Opportunitätskosten bei gleichzeitiger Aktivität am Großhandels- und Regelenergiemarkt eine äußerst komplexe Prozessdynamik, die sich nicht in einem simplen, leicht verständlichen Beispiel darstellen lässt. Da ein Beispiel für Value Stacking mit Batteriespeichern, das seinen Namen verdient hätte, daher den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, verweisen wir auf zwei ausführliche Beitrage aus unserem Blog. Dort führen wir detailliert vor, wie das Value Stacking in der Praxis über die Märkte rollierend abläuft.

BESS Value Stacking auf Spotmärkten

Wir beginnen unsere Trading-Optimierung am Day-Ahead-Markt. Dieser findet um 12 Uhr des Vortages statt. Wir kaufen jeweils 1 MW in der günstigsten Stunde für 36,99 EUR/ MWh in der Stunde 13-14 Uhr. Zu dieser Zeit scheint die Sonne und die Nachfrage ist gering. Abends in der Stunde 21-22 Uhr ist die Nachfrage höher und die Sonne geht unter. Der Preis ist hier am höchsten bei 134,10 EUR/MWh. Wir verkaufen diese Stunde und planen die Batterie zu entladen und Strom zu liefern. Wir haben nun Strom für 36,99 EUR/MWh gekauft und Strom für 134,10 EUR/MWh verkauft. Damit haben wir einen Umsatz von 97,11 EUR gemacht...

BESS Value Stacking auf Spot- & Regelenergiemärkten

Wir gehen davon aus, dass wir für den Beispielstag eine perfekte Preisprognose haben. Diese Prognose wird schrittweise, Markt für Markt, in Übereinstimmung mit den jeweiligen Gate Closures enthüllt. Wir handel unsere Beispielbatterie an folgenden Märkten:
 
Primärreserve (PRL) - @ D-1, 8:00 Uhr
Sekundärreserve (SRL) - @ D-1, 9:00 Uhr
SRL Positiv
SRL Negativ
Day-Ahead Auktion - @ D–1, 12:00 Uhr
Intraday-Auktion
Continuous Intraday Markt (IDC)

Illustration of the Total Profit and Loss (PNL) for the example day.

Überblick des exemplarischen Value Stackings eines Batteriespeichers über verschiedene Spot- und Regelenergieprodukte hinweg

Value Stacking durch Cross-Market-Optimierung

Ist der Begriff Value Stacking an der Strombörse durchaus zutreffend, erscheint der Terminus Cross-Market-Optimierung passender für die Kombination von Spot- und Regelenergiemärkten mit der Nutzung behind the meter. Denn während sich die Arbitragegewinne an Day-ahead- und Intraday-Märkten wie gesehen addieren (oder eben stapeln) lassen, ist die Teilnahme an den Regelenergiemärkte eher als Opportunität denn als Add-on zu verstehen.

Ein Batteriespeicher kann zur selben Zeit entweder in der Primärreserve oder in der Sekundärreserve oder an den Spotmärkten oder zum Eigengebrauch eingesetzt werden. Ein Verstoß würde sehr schnell zum Ausschluss von den Regelmärkten führen.
Deshalb muss ein BESS-Vermarkter jeden Tag die Einnahmemöglichkeiten aller Märkte prognostizieren und gegeneinander abwägen. Danach entscheidet er, in welchen Stunden der Batteriespeicher an welchem Markt teilnimmt.

Der Wettbewerb mit anderen Anlagen und ihren Vermarktern macht es – zum Wohle der Verbraucher – durchaus zur einer Herausforderung, attraktive Margen zu erzielen. Mit ihrer Flexibilität halten BESS aber eine starke Position am Markt, zumal derzeit eher ein Defizit an Stromspeichern im Netz herrscht.
 
Mit der entsprechenden Erfahrung und starken Prognose-Algorithmen können Analysten die Marktpreise jedoch gut einzuschätzen. Kombiniert man diesen Überblick der Marktsituation mit Trading-Algorithmen, die für jedes einzelne Asset optimiert werden, lassen sich die Erlöse von Batteriespeichern durch Value Stacking deutlich steigern.

Das ABC des Stromhandels

Was wird größer, wenn man es teilt?

Die Umstellung auf 100 % erneuerbare Energien ist eine Generationenaufgabe, die Innovation und Wissen in einem noch nie dagewesenen Umfang erfordert. Wir werden schneller zu 100 % erneuerbaren Energien gelangen, wenn wir als Generation so viele Informationen wie möglich miteinander teilen. Das ist es, was wir mit unserer School of Flex anstreben.

Flex Index

"Wie viel Geld kann ich mit einer Batterie verdienen?" Das werden wir häufig gefragt. Um die Frage zu beantworten, haben wir den Flex Index entwickelt. Er zeigt transparent den monetären Wert der Flexibilität auf dem deutschen Strommarkt an.

Videos & Podcasts

Nichts geht über Expertenwissen aus erster Hand. Hören Sie rein, was unsere Stromhändler und Ingenieure zu berichten haben – über ihren Job, das Marktumfeld und die Dinge, an denen wir gerade arbeiten.

Flexikon

Alles, was Sie über Flexibilität auf den Energiemärkten wissen müssen, an einem Ort? Geschrieben von Experten für Experten und Anfänger gleichermaßen? Das ist es, was wir mit unserem Flexicon bezwecken.

Entdecken Sie unsere Leistungen

FLEXPOWER hilft Ihnen, Ihre Assets an den Energiemarkt zu bringen. Unser Team von Spot-Markt-Tradern vereint mehr als 25 Jahre Erfahrung mit dem Handel von Strom aus Erneuerbaren Energien. Mit unserem schlanken und voll digitalisierten Ansatz verwalten wir große Erneuerbaren-Portfolios sowie flexible Erzeugungs- und Speicheranlagen.